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Wie man gegen Abschiebebescheide vorgeht

  • tobiaspfriender
  • 7. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Abschiebebescheide stellen für viele Menschen eine große Herausforderung dar. Sie bedeuten oft eine existenzielle Bedrohung und erfordern schnelles und gezieltes Handeln. Wer einen Abschiebebescheid erhält, steht vor der Frage, wie er sich dagegen wehren kann. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Schritte Sie unternehmen können, um gegen einen Abschiebebescheid vorzugehen, welche Fristen zu beachten sind und welche Rechte Sie haben.


Nahaufnahme eines Abschiebebescheids auf einem Schreibtisch mit einem Stift daneben
Ein Abschiebebescheid liegt auf einem Schreibtisch, bereit zur Prüfung

Was ist ein Abschiebebescheid?


Ein Abschiebebescheid ist ein offizielles Dokument der Ausländerbehörde, das die Ausweisung einer Person aus Deutschland anordnet. Er wird erlassen, wenn die Voraussetzungen für einen Aufenthalt nicht mehr vorliegen, beispielsweise wenn ein Asylantrag abgelehnt wurde oder eine Aufenthaltserlaubnis erloschen ist. Der Bescheid enthält Informationen über die Gründe der Abschiebung, die Fristen und die Rechtsmittel, die zur Verfügung stehen.


Erste Schritte nach Erhalt eines Abschiebebescheids


Der Erhalt eines Abschiebebescheids löst oft Unsicherheit und Angst aus. Es ist wichtig, schnell zu handeln und die Fristen genau zu beachten. Hier sind die ersten Schritte, die Sie unternehmen sollten:


  • Bescheid sorgfältig lesen

Prüfen Sie, welche Gründe für die Abschiebung genannt werden und welche Fristen für Widerspruch oder Klage gelten.


  • Rechtsbeistand suchen

Kontaktieren Sie so schnell wie möglich eine Beratungsstelle oder einen Anwalt, der sich auf Ausländerrecht spezialisiert hat. Professionelle Unterstützung erhöht die Chancen, erfolgreich gegen den Bescheid vorzugehen.


  • Fristen einhalten

In der Regel muss innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung des Bescheids Widerspruch eingelegt werden. Versäumen Sie diese Frist, wird der Bescheid rechtskräftig.


Widerspruch gegen den Abschiebebescheid einlegen


Der Widerspruch ist das wichtigste Mittel, um gegen einen Abschiebebescheid vorzugehen. Er muss schriftlich bei der Behörde eingereicht werden, die den Bescheid erlassen hat. Dabei sollten folgende Punkte beachtet werden:


  • Form und Inhalt

Der Widerspruch muss klar formuliert sein und den Bescheid sowie die Gründe, warum Sie ihn für falsch halten, benennen. Es reicht nicht aus, nur zu sagen, dass man nicht abgeschoben werden möchte.


  • Begründung beifügen

Fügen Sie alle relevanten Dokumente bei, die Ihre Situation erklären, zum Beispiel ärztliche Atteste, Nachweise über familiäre Bindungen oder neue Asylgründe.


  • Frist beachten

Der Widerspruch muss innerhalb der im Bescheid genannten Frist eingelegt werden, meist zwei Wochen.


  • Rechtsbeistand nutzen

Ein Anwalt kann helfen, den Widerspruch rechtssicher zu formulieren und die Erfolgsaussichten zu erhöhen.


Klage vor dem Verwaltungsgericht


Wenn der Widerspruch abgelehnt wird oder keine aufschiebende Wirkung hat, besteht die Möglichkeit, Klage vor dem Verwaltungsgericht einzureichen. Die Klage kann die Abschiebung vorübergehend stoppen, wenn das Gericht eine sogenannte aufschiebende Wirkung anordnet.


  • Klagefrist beachten

Die Klage muss innerhalb eines Monats nach Zustellung des Widerspruchsbescheids eingereicht werden.


  • Anwaltliche Unterstützung

Ein Anwalt kann die Klage vorbereiten und vor Gericht vertreten.


  • Eilantrag stellen

In dringenden Fällen kann ein Eilantrag gestellt werden, um die Abschiebung sofort zu stoppen.


Härtefallregelungen und weitere Schutzmöglichkeiten


Manchmal gibt es besondere Gründe, die eine Abschiebung unzumutbar machen. Diese Härtefallregelungen können zum Beispiel vorliegen bei:


  • Schwerer Krankheit

Wenn eine medizinische Behandlung im Herkunftsland nicht möglich ist.


  • Familiären Bindungen

Wenn enge Familienangehörige in Deutschland leben und auf die Person angewiesen sind.


  • Langer Aufenthalt

Wenn die Person viele Jahre in Deutschland gelebt hat und gut integriert ist.


In solchen Fällen kann ein Antrag auf Duldung oder eine Aufenthaltserlaubnis aus humanitären Gründen gestellt werden.


Praktische Tipps für den Umgang mit Abschiebebescheiden


  • Dokumente sammeln

Sammeln Sie alle wichtigen Unterlagen, die Ihre Situation belegen, wie Geburtsurkunden, Mietverträge, Arbeitsverträge oder Schulbescheinigungen.


  • Frühzeitig Hilfe suchen

Beratungsstellen, Flüchtlingsorganisationen und Anwälte bieten Unterstützung an.


  • Sprache beachten

Lassen Sie sich bei Bedarf Dokumente übersetzen und nutzen Sie Dolmetscher.


  • Keine Fristen versäumen

Fristen sind entscheidend. Verpassen Sie sie, wird es sehr schwer, noch etwas zu ändern.


  • Kontakt zur Ausländerbehörde halten

Bleiben Sie erreichbar und informieren Sie die Behörde über Änderungen Ihrer Adresse oder Situation.


Beispiel aus der Praxis


Ein junger Mann aus Syrien erhielt einen Abschiebebescheid, nachdem sein Asylantrag abgelehnt wurde. Er legte innerhalb der zweiwöchigen Frist Widerspruch ein und reichte ärztliche Atteste ein, die eine schwere chronische Erkrankung belegten. Mit Unterstützung eines Anwalts stellte er einen Antrag auf Duldung aus humanitären Gründen. Das Verwaltungsgericht ordnete eine aufschiebende Wirkung an, sodass die Abschiebung vorerst ausgesetzt wurde. Nach mehreren Monaten konnte er schließlich eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.


Fazit und nächste Schritte


Wer einen Abschiebebescheid erhält, sollte nicht verzweifeln, sondern aktiv werden. Der Widerspruch ist der erste und wichtigste Schritt, um sich gegen die Abschiebung zu wehren. Dabei ist es entscheidend, die Fristen einzuhalten und sich rechtzeitig Unterstützung zu holen. Auch wenn der Weg schwierig ist, gibt es oft Möglichkeiten, die Abschiebung zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.


Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, von einem Abschiebebescheid betroffen ist, suchen Sie sofort professionelle Hilfe. Beratungsstellen und Anwälte können Sie durch den Prozess begleiten und Ihre Chancen verbessern. Bleiben Sie informiert und handeln Sie schnell, um Ihre Rechte zu schützen.

 
 
 

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